Warum sich Zweifeln lohnt

 

Mühe mit Gott

Mein Herz schlägt vor allem für Menschen, die Mühe haben mit Gott. Ihnen will ich den Weg frei machen zu einer tragfähigen Gottesbeziehung und zu einem sinnvollen Engagement in unserer Gesellschaft. Häufig muss vorab an der Grundfestung bisheriger Ansichten gerüttelt werden. Deshalb ermutige ich, alle Arten von Gottesvorstellungen aus dem Reich der Illusionen tapfer zu bezweifeln.

 

Zweifeln tut gut

Als ich mich kürzlich mit einem Arzt unterhielt, erklärte er mir etwas Treffendes. Er meinte: «Bei mir melden sich die meisten Leute für eine Untersuchung an, weil sie an ihrer Gesundheit zweifeln!» Damit hat er meine Ansicht bestätigt: Wenn ich mir als Theologe wünsche, dass sich viele Leute an Gott wenden, geht es erst einmal darum, an der Gesundheit des Glaubens zu zweifeln.

 

Unbezweifelbar?

Mit zunehmenden Ängsten lechzt ein immer grösser werdender Teil der Menschheit nach etwas Festem. Doch die Frage bleibt für viele offen: Was gibt es, das wirklich hält? Bereits der bekannte Philosoph René Descartes fragte sich, was in der Welt überhaupt noch als sicher gelten kann. Schliesslich stellte er fest, dass einzig der Zweifel selbst unbezweifelbar ist. Darum, so Descartes, ist das Zweifeln die einzige Form des Denkens, die gewiss ist. So prägte er den bis heute sprichwörtlich gebliebenen Satz «Ich denke, also bin ich». Das vollständige Zitat lautet: «Ich zweifle, also bin ich, oder, was dasselbe ist, ich denke, also bin ich». Hinzu kommt, dass Erkenntnistheoretiker richtigerweise darauf hinweisen, dass die Bedingung der Möglichkeit von Zweifel der Glaube an eine Wahrheit ist.

 

Was Glauben heisst

Wenn Sie mich auf dem Ast sitzen sehen, den ich absäge, vermuten Sie mich wohl am falschen Ort. Zwar säge ich Äste ab: diejenigen des falsch verstandenen Glaubens. Ich will an die Wurzel führen. Im Alten Testament kommt das Wort, welches die deutschen Bibelübertrager mit «Glauben» übersetzen, aus der Baubranche. Es heisst, auf gutem Boden stehen. Das neue Testament meint mit «Glauben» den Beginn und die Pflege einer vertrauensvollen Beziehung.

 

Tiefe Beziehungen

«Glaube nicht!», diese Aufforderung stammt ausgerechnet von Jesus. Wo kämen wir denn hin, wenn wir allen alles glauben würden? Deshalb hat Jesus allen Grund, uns aufzufordern, den falschen Propheten keinen Glauben zu schenken. Ich bin überzeugt, dass es künftig noch viel wichtiger sein wird, Führungspersönlichkeiten, die viele Menschen um sich scharen werden, stark zu bezweifeln. Was nicht bezweifelt werden darf, das ist suspekt. Grosse Verführer haben leider schon viele Menschen in den Abgrund getrieben, indem sie das Zweifeln untersagt haben. Falsche Propheten sitzen uns oft näher als wir denken! Wenn die Bibel dem Zweifel eine schlechte Presse gibt, dann deshalb, weil das Zweifeln oft dem gesunden Gottvertrauen und einer tiefen Beziehung zu Jesus im Wege steht. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sich das Zweifeln mit Stolz verbindet. Dem Stolzen widersteht Gott bekanntlich. Ist der Zweifel Ausdruck des Stolzes, kommt's nicht gut. Deshalb unterscheide ich zwischen Helferzweifeln (interessiertes Hinterfragen) und Blockerzweifeln (aus Stolz geborener Unglaube).

 

Zweifelsfrei?

Wenn ich mit zweifelsfreien Meinungen eingedeckt wäre, hätte ich gar nichts mehr nötig. Ich würde mich ständig selbstgenügsam um mich selber drehen. Wenn ich aber den Zweifeln Raum gebe, nehme ich von anderen eher etwas an. In allem dürfen wir nicht ausser Acht lassen, dass wir durch das Zweifeln häufig die Voraussetzung finden, um zu den entscheidenden Werten unseres Lebens durchzudringen.

Das Wort «Zweifeln» stammt von den zwei Silben «twi» und «falt» ab. Es heisst also zwei-fältig. Wer zweifelt, wägt zwei Möglichkeiten ab. Dies ist eine gute Voraussetzung, um einen reifen Entschluss zu fassen.

 

Das Wort «Glauben»

Meine Frau war Entwicklungshelferin in Zentralafrika. In der Sprache der dort ansässigen Einheimischen finden Sie das Wort «Glauben» nicht. Statt «glauben» heisst es dort: «mit dem Herzen hören». Was denken Sie, wie sähe unsere Welt aus, wenn wir mehr mit dem Herzen hören könnten?

 

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